Versicherungsbranche trotz gewisser Trägheit auf dem Weg zu höherer Innovationskraft

 

      • Allianz, Ping An und Lemonade werden als Innovationsführer wahrgenommen
      • Innovationsaktivitäten vor allem extern getrieben / Innovation nicht in der DNA der Branche
      • Versicherer verstehen Innovation eher als inkrementellen Prozess statt als radikale Wandlung
      • 72 Prozent der Unternehmen stellen kein dezidiertes F&E-Budget bereit

Ein Großteil der Assekuranz bemüht sich, das existierende Geschäftsmodell in Bezug auf Produkte und Services sowie Prozesse und Organisation bzw. auch über die bisherige Positionierung hinaus zu modernisieren. Doch sind systematische Investitionen in Innovation im Sinne eines Forschungs- und Entwicklungsbudgets sind noch nicht selbstverständlich. Das ist ein Ergebnis der EY Innovalue Innovations Studie, die die Managementberater am Dienstag auf dem SZ-Versicherungstag vorgestellt haben.

Den einen Innovationsführer gibt es nicht

Die Allianz und Ping An als globale Player sowie Lemonade und blaudirekt als Nischenanbieter wurden von den Befragten am Häufigsten als Innovationsführer genannt. „Dabei punkten sie mit Aspekten wie einer diversifizierten Aufstellung und Investitionsstrategie, einfachen Produkten, schnellen Prozessen sowie einer konsequent umgesetzten Kundenorientierung. Der eine Anbieter, der entlang der gesamten Wertschöpfungskette als Innovationsführer gilt, konnte nicht identifiziert werden.“, sagt Christan Mylius, Partner bei EY Innovalue.

Externe Treiber von Innovation führend vor intrinsischen Motiven

Haupttreiber von Innovation sind externe Faktoren wie Kunde, Markt und Wettbewerb. Beispielsweise wirkt sich eine Niedrigzinsphase in Form von Kostendruck auf Versicherer aus, sodass Innovation in Bezug auf Prozesse und die damit verbundene Prozesseffizienz eine der wesentlichen Stoßrichtungen in den heute vorherrschenden Innovationsbestrebungen darstellen. Intrinsische Motive sind somit nicht durchgängig die Auslöser von Innovation. Innovation ist in der Versicherungsbranche nicht per se in der „Genetik“ verankert wie dies bei Geschäftsmodellen wie bei Amazon oder google der Fall ist, die mit Innovation gegründet wurden und groß geworden sind.

Innovationen überwiegend inkrementeller Natur

91% der befragten Versicherer und Makler schätzen die bisherigen Innovationsbestrebungen der Branche als inkrementell bzw. kontinuierliche Veränderungen von Produkten, Services, Prozessen und Organisation ein. Nur 9 Prozent der Befragten verstehen unter Innovation größere Veränderungen mit eher radikalem Charakter. „Von der häufig angesprochenen Disruption ist somit nicht viel zu sehen.“, sagte Julia Palte, Partner bei EY Innovalue.

Weitere Erkenntnis der Studie ist eine gewisse Innovationsträgheit der Branche. „Diese wird vor allem auf das Produkt ‚Versicherung‘ und damit den ‚Low Interest-Charakter“ und eine spartenabhängig bestehende Langfristigkeit zurückgeführt. Hinzu kommen eine oftmals vorherrschende hohe eigene Wertschöpfungstiefe, die eigene Aufbauorganisation sowie die wenig vorhandenen Industriestandards in Bezug auf Datenaustausch.“, ergänzt Palte.

Investitionen in Innovation auch heute noch nicht selbstverständlich

Zudem zeigt die Studie, dass 72 Prozent der befragten Unternehmen über kein dezidiertes F&E-Budget verfügen. Die 28% der Unternehmen, die über ein solches verfügen, haben meistens eigene Innovations-/ F&E-Einheiten errichtet. Besagte Unternehmen ohne F&E-Budget orchestrieren Innovation vorwiegend in ihrer Projekt- und Digitalisierungsportfolioplanung oder verfolgen einen unternehmerischen Ansatz. „Die unternehmerische Handhabung und damit kurzfristig-opportunistische Bereitstellung von Mitteln für gute Ideen ist eher in kleinen bzw. mittelständischen Versicherern und Maklerhäusern anzutreffen. Fraglich bleibt daher, inwiefern ein etwas systematischerer und damit auch tendenziell messbarerer Ansatz von F&E zu einer höheren Innovationskraft der Branche führen würde.“, sagt Palte.

Anssprechpartner

Christian Mylius
Partner & Managing Director
Julia Palte
Partner

Publikationen

Wertorientierte Vertriebssteuerung
Mai 2017
Die Vertriebssteuerung vieler Versicherungs- unternehmen ist weiterhin auf das Neugeschäftsvolumen fokussiert.